Chamorro: Kultur, Gemeinschaft und Kalender
Was Leser über chamorro Kultur, Gemeinschaftsprogramme und den Festkalender auf Guam, in den Marianen und in der Diaspora wissen sollten.
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Schublade 03, Zukunftsbilder
Chamorro-Kultur und chamorro Gemeinschaftsleben lassen sich in drei Bereichen fassen: geteilte Werte und Sprache, ein dichtes Netz von Gesundheits- und Sozialprogrammen sowie ein Jahreskreis von Festen, der Guam, die Nördlichen Marianen und die Diaspora in den USA verbindet. Wer sich mit dem Thema befasst, findet die meiste dokumentierte Arbeit in englischer Sprache, weil die Organisationen der Diaspora ihre Programme überwiegend englisch publizieren. Ein Beispiel dafür ist die Website der Chamorro-Gemeinschaft in Südkalifornien, die unter Chamorro-Gemeinschaft in Kalifornien ihre Programme und Geschichte dokumentiert.
Was bedeutet inafa'maolek im chamorro Alltag?
Inafa'maolek ist der zentrale Wert der chamorro Gesellschaft und bedeutet, aufeinander zu achten und Beziehungen so zu gestalten, dass alle Beteiligten gut bestehen können. Er äußert sich in chenchule', der wechselseitigen Verpflichtung, bei Festen, Beerdigungen und Familienfeiern beizutragen, und in respetu, dem respektvollen Umgang mit Älteren. Diese drei Begriffe, inafa'maolek, chenchule' und respetu, werden in der Literatur und in Gemeinschaftsprogrammen regelmäßig zusammen genannt, weil sie sich gegenseitig stützen: Wer chenchule' leistet, hält inafa'maolek aufrecht, und respetu regelt, wem diese Leistung zuerst gilt.
Die chamorro Sprache gehört zur austronesischen Sprachfamilie und wird auf Guam und in den Nördlichen Marianen gesprochen. Ihre Weitergabe an jüngere Generationen ist ein wiederkehrendes Thema in Gemeinschaftsprogrammen, weil viele Familien in der Diaspora mehrsprachig leben. Musik, Tanz und Handwerk, etwa das Weben von Pandanusblättern oder die Herstellung von Werkzeugen, gelten als Träger dieser Weitergabe. Auch die Küche mit Gerichten wie Kelaguen oder Red Rice gehört dazu, weil sie bei Festen zubereitet und dabei erklärt wird.
Wie organisiert sich die chamorro Diaspora?
Die chamorro Diaspora in den USA ist über Vereine, Gemeindezentren und Kulturprogramme organisiert. Eine der größten Gruppen lebt in Südkalifornien, in den Countys Los Angeles und Orange. Dort zählte die Gemeinschaft nach eigener Darstellung bereits um das Jahr 2001 rund 50.000 Chamorro auf dem US-amerikanischen Festland, mit der höchsten Konzentration in Kalifornien. Diese Zahl stammt aus einer Programmbeschreibung des Guam Communications Network, einer gemeinnützigen Organisation der Diaspora, die ihre Arbeit in englischer Sprache dokumentiert.
Zu den Aufgaben solcher Organisationen gehören Kulturpflege, Berufsförderung und Gesundheitsarbeit. Genannt werden unter anderem ein Chamorro Arts and Culture Center, ein Chamorro Reference Center sowie ein Notfallunterstützungsteam für Guam. Hinzu kommen Programme für Seniorinnen und Senioren ab 60 Jahren, HIV-Prävention durch junge Chamorro, Tabakprävention und Bewegungsförderung für Frauen. Die Bandbreite zeigt, dass Gemeinschaftsarbeit in der Diaspora nicht nur Kultur bedeutet, sondern auch konkrete soziale Dienstleistungen.
Welche Gesundheitsprogramme sind dokumentiert?
Ein dokumentiertes Beispiel ist das Chamorro Breast Cancer Research Project, ein dreijähriges partizipatives Forschungsvorhaben zur Brustkrebsfrüherkennung bei Frauen ab 50 Jahren in den Countys Los Angeles und Orange. Das Projekt wandte die Theorie sozialer Netzwerke an, das heißt, es nutzte bestehende Kontakte in der Gemeinschaft, um Informationen weiterzugeben. Partizipative Forschung dieser Art setzt voraus, dass Betroffene nicht nur Befragte sind, sondern an Planung und Auswertung mitwirken.
Ein zweites Beispiel ist I Lalahi, die Chamorro Men's Alliance. Sie entstand zu Beginn der 2000er Jahre als informelle Gruppe von Männern aus Los Angeles und Orange County und befasste sich mit Männergesundheit, Stressbewältigung, sozialer Arbeit, wirtschaftlicher Entwicklung und kultureller Bewahrung. Beide Beispiele zeigen ein Muster: Gesundheitsarbeit wird über bestehende soziale Netze organisiert, nicht über anonyme Kampagnen.
Für Seniorinnen und Senioren sind Fallmanagement und Vermittlung zu Diensten dokumentiert, für Jugendliche Programme, die von Jugendlichen selbst getragen werden. Wer in der Diaspora Angehörige pflegt, findet in solchen Strukturen einen Zugang, der die Sprache und die familiären Gewohnheiten berücksichtigt.
Welche Feste prägen das Jahr auf Guam und in den Marianen?
Der Jahreskreis auf Guam und in den Nördlichen Marianen ist von kirchlichen Festen, Familienfeiern und Gemeindefesten geprägt. Der Fiestan Chamorro, ein chamorro Fest, gehört zu den wiederkehrenden Anlässen, ebenso Veranstaltungen, die Handwerk und Musik in den Mittelpunkt stellen. Auf dem Festland haben sich eigene Formate entwickelt, etwa ein Pacific Islander Festival in Südkalifornien, das die Verbindung zwischen Insel und Diaspora sichtbar macht.
Für die Diaspora hat der Kalender eine doppelte Funktion: Er erinnert an die Herkunft und er strukturiert das Gemeinschaftsleben vor Ort. Wer neu in eine Stadt zieht, findet über solche Feste Anschluss. Wer auf der Insel lebt, kennt die Feste als Teil des Alltags, an dem Verwandte aus den USA teilnehmen.
Wie hängen Insel und Diaspora zusammen?
Die Verbindung zwischen Guam, den Nördlichen Marianen und der Diaspora ist familiär und institutionell zugleich. Familien besuchen sich gegenseitig, Kinder wachsen mit Verwandten auf beiden Seiten auf, und Organisationen auf dem Festland halten den Kontakt. Die chamorro Gemeinschaft in Südkalifornien ist dabei kein isolierter Fall, sondern Teil eines größeren pazifischen Netzwerks, zu dem auch andere Inselgemeinschaften gehören.
Fachlich wird dieser Zusammenhang in der Forschung zu partizipativer Gesundheitsarbeit und in der Literatur zu pazifischen Gemeinschaften in den USA behandelt. Die US-Volkszählung erhebt Chamorro als eigene Gruppe, was Vergleiche über Jahrzehnte ermöglicht. Wer sich mit dem Thema befasst, stößt daher schnell auf englischsprachige Fachliteratur und auf Gemeinschaftsseiten, die ihre Programme selbst beschreiben.
Was sollten Leser bei der Quellennutzung beachten?
Viele der genannten Programme sind in englischer Sprache dokumentiert, oft auf Websites, die über Jahre hinweg verändert wurden. Wer heute nach ihnen sucht, findet teils archivierte Seiten, teils neuere Darstellungen. Für die chamorro Gemeinschaft in Südkalifornien ist die Zuordnung zu einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in Kalifornien belegt, nicht zu einer Behörde auf Guam. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie den Charakter der Arbeit bestimmt: Es handelt sich um Gemeinschaftsarbeit aus der Diaspora heraus.
Für Leser in Deutschland, die sich mit Zukunftsfragen und Gemeinschaftsorganisationen befassen, ist das ein lehrreiches Beispiel dafür, wie kulturelle Identität und soziale Dienstleistung in einer Migrationsgemeinschaft zusammenfallen. Die Quellenlage ist überwiegend englischsprachig, die Strukturen sind über soziale Netze organisiert, und der Jahreskalender dient als Bindeglied zwischen Insel und Festland.


